Klangwerkstatt Berlin

Festival für Neue Musik





Pressemitteilung
Briefe an den Berliner Kultursenator Dr. Klaus Lederer
Presse



Statements, Kommentare



Mit Bestürzung haben wir von der diesjährigen Absage der Klangwerkstatt aufgrund einer Förder- und Finanzierungssituation erfahren, die eine seriöse Durchführung des Festivals nicht ermöglicht hätte.
Damit wird eine kontinuierliche Arbeit unterbrochen, mit der sich dieses Festival in den letzten 28 Jahren als einer der zentralen Termine für die Musik in Berlin etabliert hat. Die Klangwerkstatt ist ebenso wichtig als Auftritts- und Aufführungsort für Berliner Ensembles, Musiker*innen und Komponist*innen wie als Forum für Gäste aus dem In- und Ausland. Vor dem Hintergrund ihrer besonderen Geschichte hat sie sich gleichzeitig hierbei ein einzigartiges Profil geschaffen, indem sie Nachwuchsförderung als integralen Bestandteil ihrer Arbeit versteht, Kinder-, Jugend- und Studierendenprojekten einen exponierten Präsentationsort verschafft und diese in Austausch bringt mit Projekten der im Festival auftretenden Profis.
Der große Verlust, der die Absage des Festivals 2017 für die zeitgenössische Musik in Berlin bedeutet, betrifft im Besonderen auch die Szene des zeitgenössischen Musiktheaters. Im Rahmen der Klangwerkstatt fand diese Szene bislang zu Auftritts- und Produktionsmöglichkeiten, an denen es ihr ansonsten in Berlin massiv mangelt. Der ZMB fordert den Senat auf, ein Konzept zur langfristigen Sicherung der Klangwerkstatt vorzulegen, sei es im Rahmen des in Aussicht gestellten und dringend benötigten neuen Festivalfonds oder auf andere Weise.

Mit freundlichen Grüßen
Roland Quitt (Vorsitzender)
Zeitgenössisches Musiktheater Berlin e.V.
21.07.2017





Am Beispiel der Klangwerkstatt, die im Jahr 2017 erstmals seit Jahrzehnten keine Förderung erhält, zeigt sich ein fundamental verändertes Bewusstsein von Politik und Kulturverantwortlichen gegenüber der zeitgenössischen Musik.
Projekte mit Eventcharakter und Repräsentationspotenzial verdrängen zunehmend solche Formate, die experimentell sind und sich in erster Linie mit der Kunst beschäftigen und nicht mit der Erwartungshaltung des Publikums. Die zeitgenössische Musik gerät unter verschärften Rechtfertigungsdruck, weil sie kaum Unterhaltungsanteile hat, sondern sich als „ernst“ versteht.
Wenn die Klangwerkstatt im Jahr 2017 ausfallen muss, dann ist das auch der Tatsache geschuldet, dass zunehmend freie Fördermittel von großen staatlich subventionierten Institutionen vereinnahmt werden, um herausragende Projekte im Bereich der zeitgenössischen Musik zu finanzieren. So wichtig und finanzierungswürdig diese Projekte sind, so werden hier doch zu häufig gemäß Projektauswahl und Repräsentation die eigentlich experimentellen, wagemutigen und auch unbequemen Aspekte des Zeitgenössischen eliminiert.
Im Ergebnis wird die zeitgenössische Musik in einem vielfältigen Konkurrenzkampf marginalisiert. Besonders eklatant ist, dass der Finanzierungstopf für die freie Szene durch die Beteiligung von staatlich subventionieren Institutionen erheblich reduziert wird. Darüber hinaus muss sich die zeitgenössische Musik gegen eine Überzahl von Juroren durchsetzen, die für ihre jeweiligen Sparten kämpfen.
Die Vielfalt und Bandbreite der zeitgenössischen Musik im Land Berlin-Bandenburg sollte nicht nur erhalten, sondern auf Basis eines politischen Bekenntnisses zur Kunst auch perspektivisch ausgebaut werden. Hierfür ist eine auskömmliche Basisfinanzierung der einschlägigen Festivals, Formate und Podien unabdingbar!

Holger Müller-Brandes, Opernregisseur
20.7.2017





Die Nicht-Förderung der KlangwerkstattKreuzberg in diesem Jahr erzeugt für viele engagierte Musiker der Stadt eine bittere Lage. Seit nunmehr über zehn Jahren ist die Klangwerkstatt immer dabei, wenn wir Projekte für Kinder und Jugendliche realisieren - sei es mit dem Jugendsinfonieorchester Marzahn-Hellersdorf, sei es seit 2013 von Beginn an mit dem neu gegründeten Landesjugendensemble für Neue Musik, sei es zuletzt ebenfalls jährlich mit der Freien Jugendorchesterschule Berlin, wo Kinder schon ab 6 Jahren den unbefangenen Zugang zur Neuen Musik von heute erlernen. Ich erinnere mich mit Wehmut an das letztjährige Großprojekt meiner Sinfonie für Kinder mit zwei Jugendorchestern aus Berlin und Südkorea und den Kinderchor der Händelschule. Oder an die Begegnung im Vorjahr mit den australischen Komponisten, die dank der Klangwerkstatt in Berlin beim Landesjugendesnemble sein konnten! Aber ich erinnere auch vor allem eine ganze Fülle von Ensemblewerken und Uraufführungen von Georg Katzer, Juliane Klein, Myriam Marbe, Matthias Kaul, undundund... ich kann nicht alle Stücke aufzählen, die wir im Rahmen der Klangwerkstatt aus der Taufe heben konnten.
Was soll nun werden? Eine Stadt wie Berlin braucht dieses einmalige Forum, und ich rufe alle auf, sich an Aktionen beteiligen, die den Erhalt der Klangwerkstatt zum Ziel haben!
Ich wünsche Stefan Streich und dem Team der Klangwerkstatt viel Erfolg beim Kampf für ihre tolle Arbeit!


Jobst Liebrecht
19.7.2017
Dirigent, Komponist, Ensembleleiter





Es kann und darf nicht sein, daß die Klangwerkstatt, ein seit Jahrzehnten jährlich stattfindendes Festival, in dem die Jugend der zeitgenösischen Musik sich unters Volk alter Hasen mischt, in dem sich alle, die in Berlin gelebt haben und in Berlin gewachsen sind, um später Professorenstellen und internationale Festivals auszufüllen, zuerst ausprobiert und zu Diskussion gestellt haben, ein Festival, in dem nicht nur Stücke sondern vor allem die jungen Komponistinnen und Komponisten selbst ans Licht der Öffentlichkeit getreten sind, ein Festival, durch welches wir, das ensemble mosaik, unsere ersten Schritte lernten, zum ersten Mal die Begeisterung spürten, die eine gelungene Aufführung eines guten Stückes hervorrufen kann, ein solches Festival, das wie kein anderes die Namen Wiege und Garten verdient, einfach so ausfällt. Punkt. Kulturpolitikerinnen und -politiker, im Senat und in der freien Szene, bitte setzt Euch mit dem einzigen Ziel zusammen, das Festival Klangwerkstatt zu schützen, zu bewahren und vor allem stattfinden zu lassen. 2018 so wie in den 28 Jahren zuvor und danach. Es gibt keinen Grund für diesen Unsinn.

ensemble mosaik
Ernst Surberg
12.7.2017





Mit Bestürzung hat die Gesellschaft für Neue Musik (GNM) die Absage der Klangwerkstatt Berlin zur Kenntnis genommen. 28 Jahre lang hat sich dieses Festival ohne institutionelle Unterstützung allein über Projektförderung finanziert. Diese wurde für 2017 erstmals nicht gewährt. Damit ist eine wichtige Institution der zeitgenössischen Musik ernsthaft bedroht. Denn die Klangwerkstatt verbindet in einzigartiger Weise eine qualitätvolle Programmarbeit mit einer generationenübergreifenden Vermittlung. Die GNM fordert die politisch Verantwortlichen auf, ihre Förderstrukturen für wiederkehrende Veranstaltungen langfristig und erfolgreich arbeitender freier Institutionen zu überdenken.

Der Vorstand der Gesellschaft für Neue Musik (GNM)





Sehr geehrte Freunde der zeitgenössischen Kultur,
ich habe gerade mit großem Bedauern über den durch fehlende finanzielle Unterstützung bedingten Ausfall des diesjährigen Klangwerkstatt-Festivals gelesen. Vor 14 Jahren bin ich aus den USA nach Deutschland ausgewandert. Einer meiner Hauptgründe damals war nicht nur die kulturelle Vielfalt und Qualität, sondern das unverkennbare Gefühl, dass zeitgenössische Kunst in der deutschen Gesellschaft sowohl von Individuen als auch vom Staat zutiefst wertgeschätzt sei. Wer Kunst fördert, fördert die menschliche Seele. Hier – im starken Kontrast zu meiner Heimat – eine Selbstverständlichkeit.
Wenn tatsächlich keine Möglichkeit besteht, das diesjährige Festival stattfinden zu lassen, dann lasst uns alle zusammen kommen, damit die nächste Klangwerkstatt beweisen kann, warum es weiter bestehen muss! Wir müssen es krachen lassen und Förderern deutlich zeigen, welch wichtigen Beitrag das Festival leistet.
Mit Unterstützung und herzlichen Grüßen,

Mark Barden
10.7.2017





Ich war oft in den Konzerten der Klangwerkstatt, auch mit meinen Schülern – es war immer spannend und sorgte danach für spannende Unterrichtsstunden. Hoffentlich kann sie gerettet werden.

Liz Hirst
10.7.2017