30 Jahre

Klangwerstatt Berlin

1990 bis 2020

1990-2020

Festival für Neue Musik

6. bis 15. November

Kunstquartier Bethanien Berlin

Sonntag 8.11.
Konzert und Diskurs, 17.00 Uhr

discourse in concert part 1

ensemble mosaik

© Anja Weber
© Anja Weber

Ich, als Zuschauer*in: Do I take part? Bin ich Teil dessen, was ich da zu hören und zu sehen bekomme? Was hier passiert?

Selbstverständigung, Austausch, Interaktion. Der lange Konzertabend mit dem ensemble mosaik lässt Festivalgeschichte auf individuelle Künstlerbiographie treffen. Im Mittelpunkt stehen zwei Werke, die vor 11 bzw. 7 Jahren als Auftragswerke für die Klangwerkstatt Berlin entstanden und die zugleich zentral für das Schaffen der beiden Komponisten wurden. Beide Stücke erscheinen nun in neuem Gewand: Johannes Kreidlers Fremdarbeit - eine andere Version (2009/2020) und Neo Hülckers Mitarbeit – Nacharbeit (2013/2020), das sein Revival als ein Duett von Dokumentation und live-Spiel von damals und heute erleben wird. Beide Stücke stellen die Fragen nach der Originalität des Materials und der Rolle der/s Komponist*in. In der Gegenüberstellung von Ursprungs- und Neufassung treten die Stücke zugleich mit dem Publikum in einen Austausch darüber, welche Gültigkeit die künstlerische Position von damals heute besitzt. Muss sie neu formuliert oder gar überschrieben werden? 

Für Fremdarbeit beauftragte Johannes Kreidler Komponisten in Billiglohnländern mit Stücken, die genau seine musikalische Sprache imitieren sollten. Und bezahlte ihnen einen Bruchteil seines eigenen Auftragshonorars. Die Auslagerung des Produktionsprozesses an Komponisten in Indien und China wirft nicht nur die Frage nach Original und Kopie auf, sondern thematisiert auch die globalen Missverhältnisse des Kapital- und Warenverkehrs. Die Thematisierung dieses zugrundeliegenden Konzepts ist zugleich zentraler Bestandteil der Stückgestalt selbst, repräsentiert durch einen Moderator.

Neo Hülckers Stück Mitarbeit liegt ein interaktiver Kompositionsprozess zugrunde: An verschiedenen öffentlichen Plätzen konnten zufällige Passanten Musikinstrumente ausprobieren, Audio- und Videoaufzeichnungen davon wurden Teil des höchst heterogenen Materialkonvoluts des Stückes, ebenso Aufnahmen der Komponist*in selbst von Situationen, in denen Hülcker das eigene Tun den Passanten erklärt. Die Dokumentation von Mitarbeit als Video-Zuspiel wird zur Grundlage des neuen Stücks Mitarbeit – Nacharbeit.

Anton Wassiljews neues Stück nimmt dagegen die Rolle der Zuhörenden in den Blick: Wie verändert sich Musik durch Nähe oder Distanz, An- und Abwesenheit des Publikums? Jede/r Musiker*in spielt für eine/n Konzertbesucher*in, so nah es die coronabedingten Abstandsregeln zulassen. Nach solch einer persönlichen „Session“ wechselt der/die Zuhörer*in, nun nimmt eine andere Person den Platz vor dem/der Musiker*in ein. Die Klangstrukturen des Stücks entstehen dabei abhängig von der Anzahl der Konzertbesucher*innen. Die Quintessenz könnte aktueller kaum sein: ohne Publikum, kein Klang.

Programm

  • Johannes Kreidler Fremdarbeit - eine andere Version (2009/2020) UA
    für Flöte, Violoncello, Keyboard, Schlagzeug, Zuspiel und Moderator
  • Neo Hülcker Mitarbeit – Nacharbeit (2013/2020) UA
    für Flöte, Oboe, Klarinette, Violoncello, Klavier, Schlagzeug und Video
  • Anton Wassiljew Neues Werk (2020) UA
    für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier/Keyboard, Schlagzeug und Elektronik

ensemble mosaik

Bettina Junge – Flöte | Simon Strasser – Oboe | Christian Vogel – Klarinette | Ernst Surberg – Klavier | Roland Neffe – Schlagzeug | Chatschatur Kanajan – Violine | Mathis Mayr – Violoncello | Arne Vierck – Klangregie | Johannes Kreidler - Moderation

Alle Werke sind Kompositionsaufträge der Klangwerkstatt Berlin

Corona-Hinweis

Wegen der coronabedingten Auflagen steht nur eine limitierte Platzzahl zur Verfügung. Die Tickets bitten wir im Vorfeld über billetto.eu zu buchen. Dies gilt auch für die Konzerte mit freiem Eintritt. Wenn es Ihnen nicht möglich ist, ihre Karte über Billetto zu kaufen, schreiben Sie bitte an ticket@klangwerkstatt-berlin.de. Restkarten ggf. an der Abendkasse.