Kunstquartier Bethanien, Foyer & Studio 1

Sonntag 7.11., 19.00 Uhr

I am here … & Piano Valentines

Sirje Viise – Performance & Yoriko Ikeya – Klavier

  • Sirje Viise, Ulrike Ruf (UA)
  • Sidney Corbett (UA)

I am here …

Präsenz und Abwesenheit, Intimität und Öffentlichkeit. Nach langen Monaten der Corona-Abstinenz richtet sich der Blick wieder auf das Gegenüber und auf das Beziehungsgeflecht zwischen Künstler:in und Zuhörer:in. Die Sängerin Sirje Viise durchwandert Foyer und Konzertsaal. Ihre Stimme, Atem, Klänge sind aus verschiedenen Richtungen und von unterschiedlichen Orten zu hören. Lautsprecher übertragen sie in den Raum. Die Grenzen von Raum und Körper werden durchlässig. Fast beiläufig gleitet die Performance aus einer Live-Klanginstallation hinüber in ein situatives Musiktheater und wieder zurück.



Sirje Viise – Performance | Ulrike Ruf, Sirje Viise – Konzept & Komposition | Sabine Hilscher – Ausstattung | Justin Robinson – Klangregie


I am here … geht fließend über in das anschließende Klavier-Solo-Rezital:


Piano Valentines

Programm

  • Sidney Corbett
    Piano Valentines Book I (Auszüge)(1988–2000)
    für Klavier
    Nr. 1 aria (1988)
    Nr. 4 Taos Ladder (in memoriam Georgia O’Keefe) (1997)

  • Piano Valentines Book II (Auszüge)(2005–2010)
    für Klavier
    Nr. 13 Die Liebe der Steine (in memoriam Heiner Müller) (2008)
    Nr. 14 Dignity died in Detroit (in memoriam Rosa Parks) (2009)
  • Leonie Reineke im Gespräch mit dem Komponisten Sidney Corbett.
  • Sidney Corbett
    Piano Valentines Book IIIUA(2013–2020)
    für Klavier
    Nr. 16 Rachel (in memoriam Carol Joy) (2013)
    Nr. 17 in memoriam Pina Bausch (2017)
    Nr. 18 in memoriam Anna Stepanovna Politkovskaya (2018)
    Nr. 19 Vox Legis (in memoriam Ruth Bader Ginsburg) (2020)
    Nr. 20 '… bear the flight in mind' (in memoriam Forugh Farrokhzad) (2020)
    Nr. 21 in memoriam Delmira Agustini (2020)

Yoriko Ikeya – Klavier


Postkarten ins Jenseits – in den Piano Valentines versammelt der US-amerikanische Komponist Sidney Corbett Klavierminiaturen, die im Andenken an für ihn wichtige Menschen entstanden.

Das dritte Buch dieser Valentines wird an diesem Abend von der Pianistin Yoriko Ikeya uraufgeführt. Es eröffnet den Blick auf ein Kaleidoskop ganz unterschiedlicher Frauen unserer Zeit. Der Komponist schreibt zu diesen Stücken des dritten Buches:

Piano Valentine Nr. 16, Rachel (in memoriam Carol Joy) ist meiner Mutter, Carol Joy Leslie, gewidmet. Der Titel ist an die Schlussszene von Melvilles Moby Dick angelehnt: ‚It was the devious-cruising Rachel, that in her retracing search after her missing children, only found another orphan.‘

Piano Valentine Nr. 17, in memoriam Pina Bausch: Was kann man über diese großartige Künstlerin schreiben, was nicht anderswo und besser geschrieben steht. Ich habe sie nur über den Film kennengelernt, leider habe ich ihre Kompagnie in Wuppertal nie live erlebt, aber ihre Werke, wie Cafe Müller oder ihre Choreographie von Le Sacre haben mich tief berührt.

Piano Valentine Nr. 18, in memoriam Anna Stepanovna Politkovskaya: Anna Stepanovna Politkovskaya war eine russische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin und hat u. a. über den Krieg in Tschetschenien Anfang der 2000er Jahre berichtet, dies trotz massiver Bedrohungen. 2004 wurde sie vergiftet, konnte aber überleben. 2006 wurde sie schließlich ermordet. Diese Piano Valentine ist ein kleines Zeichen der Dankbarkeit für ihren Mut und Aufrichtigkeit.

Piano Valentine Nr. 19, Vox Legis (in memoriam Ruth Bader Ginsburg): Vox Legis, die Stimme des Gesetzes, ist der U.S. Supreme Court Richterin Ruth Bader Ginsburg gewidmet, eine Stimme der Vernunft und der Klarheit und des Mutes in immer unsichereren Zeiten. Was der Verlust dieser Stimme uns in den USA bedeuten wird, wird sich erst zeigen, der Verlust wird aber – das ist sicher – sehr spürbar sein.

Piano Valentine Nr. 20, ‚... bear the flight in mind‘ (in memoriam Forugh Farrokhzad): geboren 1934 in Teheran, gestorben, nur 32-jährig, nach einem Autounfall. In ihrem kurzen Leben hat sie aber ein sehr bedeutendes lyrisches Werk hinterlassen. Der Titel des Klavierstücks entstammt dem Gedicht My Heart Grieves.

Piano Valentine Nr. 21, in memoriam Delmira Agustini: Delmira Agustini war eine uruguayische Dichterin, die Lyrik von einer explosiven Kraft und mit einer sehr komplexen, oft erotischen Metaphorik schrieb. Ihre Gedichte lese ich seit fast 30 Jahren, leider sind nur wenige ihrer Gedichte auf Deutsch erschienen, auch im spanischen Original sind zwei ihre bedeutendsten Bücher, El Rosario de Eros (Der Rosenkranz des Eros) und Los Astros del Abismo (Die Sterne des Abgrunds) erst posthum erschienen. Sie starb unter tragischen Umständen mit 28 Jahren, ermordet von ihrem Ex-Mann.“