Tafelmusik 1

Ensemble JungeMusik Berlin

Tafelmusik – mit diesem Format hat das Ensemble JungeMusik zusammen mit seinem Leiter Helmut Zapf bereits 2019 bei der Klangwerkstatt Berlin für musikalische Mittagspausen im hektischen Alltag gesorgt. Eine Woche lang spielte das Ensemble in unterschiedlichen Besetzungen jeden Tag um die Mittagszeit kurze Stücke, sowohl von etablierten Komponist*innen als auch von Kompositionsstudent*innen, ganz so, wie es das Konzept des Ensembles seit seiner Gründung 1992 vorsieht. Und weil zur Mittagszeit nun auch das Essen dazu gehört, wurde zur Musik gleich noch ein Imbiss gereicht.

Dieses charmante Format sollte wiederholt werden. Aber auch diesem Vorhaben hat Corona bei der Klangwerkstatt Berlin 2020 einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Kurzkonzerte aber haben stattfinden können.

Was verbirgt sich hinter der nächsten Biegung? Martin Daske vereint in seiner Schiffsreise Backbord ein Kolibri über mehrere Jahre gesammelte Aufnahmen von Binnenschiffen und Schleusen, die er mit Ausschnitten aus einem Bordtagebuch und Instrumentalmusik verwebt.

Das Verhältnis von Bassklarinette und Zuspiel hat Georg KatzerDialog imaginäre Nr. 4 untersucht. Der Dialog entsteht hier in der Nachahmung auf das Gehörte des Zuspiels, es geht also um einen Solisten, der mit sich selbst dialogisiert. Allerdings kommen die Bassklarinettenklänge aus den Lautsprechern verändert zurück, sie wurden im elektronischen Studio vielerlei Klangmanipulationen unterworfen. Dialog imaginär 4 ist Wolfgang Fuchs, dem viel zu früh verstorbenen Improvisator, Künstler und Lehrer an der Musikschule Kreuzberg gewidmet.

Mit der Situation in China zu Beginn der Corona-Pandemie befasst sich die Studentin Xuan Yao in ihrem Stück Unklarer Sturmball. Hier wird die reine Quinte der offenen Saiten der Viola zum Hauptintervall, als Symbol für die unberührte Natur. Kann man diese Quinte in der Flut der Töne noch erkennen? Erkennen wir die Rufe der Trompete? Erkennen wir den Sturmball, den uns die Natur mit Corona vielleicht zeigen will?

Groll und Dank hat Walter Zimmermann wie eine Folge von Volkstänzen komponiert, ähnlich wie die 12 Gegentänze von Ludwig van Beethoven, allerdings ohne den Meister direkt zu zitieren. Die Titelhälfte Groll bezieht sich auf Zimmermanns Klavierprüfung. Er hat sie nicht bestanden, weil er im dritten Satz von Beethovens Les Adieux zu improvisieren begann, der Dank im Titel verweist darauf, dass er daraufhin Komponist werden konnte.

Gegensätzlichkeiten vereint die Kompositionsstudentin Sujin Lee in leise, laut. Der thematische Kontrast zwischen den beiden Sätzen ist exakt das, was die Titel beschreiben. Diese werden durch unterschiedliche Dynamiken und Spieltechniken von Klarinette und Violoncello von einander abgesetzt. Die Spielweisen kulminieren im zweiten Stück in einem überzeichneten und geradezu schmutzigen Klang.

Programm und Einzelvideos

  • Martin Daske
    Backbord ein Kolibri(1996)
    für Klarinette, Kontrabass und Zuspiel, Text: Martin Daske
  • Georg Katzer
    Dialog Imaginär 4 – Atmung(1991)
    für Bassklarinette und Zuspiel
  • Xuan Yao
    Unklarer Sturmball(2020)
    für Trompete und Viola
  • Walter Zimmermann
    Groll und Dank(2015)
    für Klavier und Toy Piano
  • Sujin Lee
    leise, laut(2020)
    für Klarinette und Violoncello

Ensemble JungeMusik Berlin

Matthias Badczong – Klarinette | Ziqian He – Trompete | Nadezda Tseluykina – Klavier | Mike Flemming – Viola | Isabelle Klemt – Violoncello | Matthias Bauer – Kontrabass | Helmut Zapf – Leitung | Erwin Schastok – Sprecher im Zuspiel Daske
Sujin Lee studiert Komposition an der HfM Hanns Eisler, Kooperationsprojekt mit Klangzeitort – Institut für Neue Musik der Berliner Musikhochschulen.