, Uhr
Kunstquartier Bethanien, Studio 1

flüssige zeit / tiempo líquido

progress – das festivalensemble

Bild von ensemble progress bei einer Performance
© André Fischer

Programm


ensemble progress & Catenation

flüssigere zeit IUA (2025)

für Ensemble

Peter Ablinger

WEISS/WEISSLICH 3 (1990)

für Ensemble, variable Besetzung, mindestens 6 Spieler

Michele Abondano

flüssige zeit / tiempo líquidoUA (2025)

für Ensemble
Kompositionsauftrag der Klangwerkstatt Berlin, ermöglicht von der Ernst von Siemens Musikstiftung

ensemble progress

INTERMISSIONUA (2025)

für Ensemble

ensemble progress & Catenation

flüssigere zeit IIUA (2025)

für Ensemble

ensemble progress

INTERMISSIONUA (2025)

für Ensemble

Interview

Michele Abondano im Gespräch mit Leonie Reineke


progress – das festivalensemble

Christina Kousiantza, Tammy Mohring, Heidi Withelm, Irma Schuster – Blockflöten, objects, electronics | Martha Orywal – Blockflöte, Trompete, objects, electronics | Jeanne Artemis – Viola, objects, electronics | Isabella Olivia Branco – Cello, objects, electronics | Georgios Kokkinaris – Kontrabass, objects, electronics | Sylvia Hinz – Blockflöten, objects, electronics, Leitung

Moderation und Gespräche

Leonie Reineke

Ensemble progress unter der Leitung von Sylvia Hinz präsentiert ein Konzert, das die vielschichtige Wahrnehmung von Zeit musikalisch betrachtet. Im Zentrum steht flüssige zeit / tiempo líquido (UA) der kolumbianischen Komponistin Michele Abondano. Sie verschmilzt persönliche und kollektive Zeitempfindungen zu einem polytemporalen Klanguniversum. Das generationsübergreifende Kollektiv aus professionellen Musiker:innen und Musikschüler:innen verwendet traditionelle Instrumente, Stimmen, elektronische Klangerzeuger und eigene Tonaufnahmen. Spannungsbögen entstehen, Pausen atmen und Klänge finden ihre ganz eigene Dauer. Kollektivkompositionen des Ensembles spinnen das Thema fort.

Das ensemble progress lebt ein partizipatives Musikverständnis, das die Klangwerkstatt Berlin seit ihren Anfängen unter Peter Ablinger prägt. Eine seiner Kompositionen erklingt im Gedenken an den im April dieses Jahres verstorbenen Komponisten.


Peter Ablinger: WEISS/WEISSLICH 3 (1990)
… Der Name der Werkreihe Weiss/weisslich bezeichnet also nicht nur die feine Differenz von Weiß zu einem anderen Weiß, er meint auch vor allem diejenige, von Weiß zur Wahrnehmung des Weiß. Bei jenem Stück, das der Reihe den Titel gab, dem späteren Weiss/weisslich 3, war der Sachverhalt der Übertragung ein höchst unmittelbarer, vielleicht der direkteste und einfachste meiner gesamten Arbeit: Wieder einmal stand ich vor einem Bild und dachte dabei an Musik. Diesmal 1990, im Gropius-Bau Berlin, es war eine dieser riesigen Ausstellungen damals, ich habe das Thema vergessen, aber ich erinnere mich, die Ausstellung gerade erst begonnen zu haben und zwar mit dem letzten Raum des Rundgangs. Und da stand ich vor einem Bild das nur aus vertikalen, hellgrauen Streifen bestand, nichts als zwei unterschiedliche Grautöne, die sich völlig regelmäßig abwechselten. Ich betrachtete das Bild weniger, als daß es mich betrachtete, wie ich eine Weile in Gedanken versunken davor stand, dann aber rasch den Ausstellungsbesuch abbrach und nach Hause ging um ein Stück zu skizzieren, das aus nichts anderem bestand als aus dem mehrmaligen, regelmäßigen Wechsel von 40 Sekunden Stille und 40" Fast-Stille. Es dauerte danach noch viele Jahre bis ich schließlich herausfand, daß das Bild von Agnes Martin war.
Peter Ablinger

Michele Abondano: flüssige zeit / tiempo líquido (2025)
Der Titel des Stücks wurde von Sylvia Hinz in einer frühen Phase des Projekts vorgeschlagen, und ich begann, an ihrer Idee einer persönlichen und kollektiven Wahrnehmung von Zeit zu arbeiten. Der Kompositionsprozess fiel jedoch mit einer meiner größten existenziellen Krisen zusammen, in der ich mich intensiv mit Zygmunt Baumans Buch Liquid Time (Flüchtige Zeiten. Leben in der Ungewissheit) beschäftigte. Unweigerlich ist diese Komposition eine Antwort auf all diese Überlegungen. Durch die Überlagerung und Interpolation von Improvisationsabschnitten, Experimenten und eher determinierten klanglichen Einheiten führt das Stück die Interpret:innen dazu, skizzierte Formen, gescheiterte Utopien, Unsicherheit und individuelle Fluchtwege zu erforschen. Der Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit/Kontrolle steht im Mittelpunkt dieser flüssigen Zeit.
Michele Abondano